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Deutschland - Sudan bilaterale Beziehungen

14.05.2018 - Artikel

Die Geschichte des Sudans ist durch Bürgerkriege und andere Konflikt mit einer hohen Zahl von Menschenrechtsverletzungen geprägt. Opfer dieser Auseinandersetzungen war und ist die Zivilbevölkerung. Der Jahrzehnte andauernde Bürgerkrieg im Süden konnte zwar mit Unterzeichnung eines Friedensvertrages Anfang 2005 beendigt werden. 2003 brach dann ein neuer Konflikt im Darfur aus, der zu über 200.000 Toten und mehr als 2 Millionen Binnenflüchtlingen führte. Der Darfur Konflikt und die zahlreichen Versuche, diesen Konflikt zu lösen, finden in Deutschland ein hohes öffentliches Interesse.

Die bilateralen Beziehungen Deutschlands mit dem Sudan können im Grundsatz dank einer fehlenden kolonialen Vergangenheit, der hohen Reputation deutscher Industriegüter, der kulturellen Zusammenarbeit und der hohen Wertschätzung der in der Vergangenheit geleisteten deutschen Entwicklungshilfe als gut bezeichnet werden. Deutschland gehört zu den wichtigsten Geberstaaten im Rahmen der humanitären Hilfe für den Sudan. Als Mitgliedstaat der Europäischen Union bemüht sich Deutschland um eine gemeinsame Lösung des Darfur Konflikts und um die Umsetzung des Friedensvertrages mit dem Süden.

1. Politische Beziehungen

Die Bundesregierung bemüht sich, zur Lösung der verschiedenen Konflikte im Sudan beizutragen. Ziel ist eine friedliche, sichere und nachhaltige Entwicklung im gesamten Land.

Deutschland unterstützt die Friedensbemühungen der Afrikanischen Union und den im Sudan stattfindenden Nationalen Dialogprozess. Deutschland unterstützt außerdem das umfassende Friedensabkommen zwischen Nord- und Südsudan im Rahmen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen finanziell und politisch. Deutschland ist wichtiger Beitragszahler für die gemeinsame Friedensmission der Vereinten Nationen mit der Afrikanischen Union UNAMID in Darfur und entsendet Polizisten und Soldaten für die Blauhelmmission. Zusätzlich unterstützt Deutschland die Mission mit Ausbildungs- und Ausstattungshilfe für Kontingente afrikanischer Truppensteller.In Darfur gehört Deutschland zu den wichtigsten Gebern von humanitärer Hilfe für die ca. 2,57 Millionen Binnenvertriebenen.

2. Wirtschaftsbeziehungen, ggf. auch entwicklungspolitische Beziehungen

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Sudan sind von hoher Wertschätzung deutscher Lieferungen und Leistungen geprägt; das Volumen ist gering. Da bislang keine Hermesdeckung der Bundesregierung für Auslandsgeschäfte mit Sudan möglich ist, bleiben die Perspektiven für eine Ausweitung des bilateralen Handels beschränkt.

Großprojekte wie die Erweiterung des sudanesischen Telekommunikationssektors sowie im Kraftwerksbau und im Verkehrssektor haben das Interesse deutscher Unternehmen geweckt, die sich insbesondere mit Ingenieurdienstleistungen im Auftrag der sudanesischen Regierung beteiligen. Vertreter von DIHK, AHK oder Korrespondenten der GTAI gibt es im Sudan nicht.

Der Außenhandel Deutschlands mit Sudan bewegt sich auf niedrigem Niveau. Die Exporte gingen im Jahr 2012beliefen sich im Jahr 2013  auf ca. 224 118,7 Millionen Euro (2011: 312,63 Millionen Euro) zurück, die Importe stiegen auf 18,715,1 Millionen Euro (2011: 13 Millionen Euro). Traditionelle Hauptexportgüter Sudans nach Deutschland sind Baumwolle, Gummi arabicum sowie in geringen Mengen Sesam, Nüsse und Leder.Die sudanesischen Importe aus Deutschland umfassen hauptsächlich Maschinen und Ausrüstungen, sowie Fertigerzeugnisse, Chemikalien, Lebensmittel und Textilien.

3. Kulturelle Beziehungen

Die Zusammenarbeit im Bereich Kultur und Bildung ist gut entwickelt. Deutsche Kultur und Wissenschaft haben in Sudan einen hervorragenden Ruf. Zahlreiche Sudanesen haben in Deutschland studiert oder gearbeitet und halten in Khartum ein aktives Netzwerk von an Deutschland Interessierten aufrecht.

Das Goethe-Institut in Khartum stellt seit seiner Wiedereröffnung 2008 in der Programm- wie in der Spracharbeit eine zentrale Säule der kulturellen Beziehungen mit Sudan dar. Gegenwärtig wird das Gebäude des Goethe-Instituts renoviert und erweitert. Mit seinem kulturellen Programm (Theaterworkshops, Konzerte, Diskussionsrunden, etc.) und dem im Hause betriebenen Café dient es als Treffpunkt der aufstrebenden sudanesischen intellektuellen Elite, die die benachbarten Universitätsinstitute besucht. Sprachkurse des Goethe-Instituts erfreuen sich großer Beliebtheit.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist durch einen Lektor (Germanistik) in Khartum vertreten. Dieser ist für die Vergabe von Stipendien für Studien- und Forschungsaufenthalte in Deutschland und für die Studienberatung zuständig.

Seit 1990 wird Deutsch als Fremdsprache an sudanesischen Universitäten angeboten. Derzeit sind knapp 100 Studenten im B.A. und B.A.-Honours Programm an der University of Khartum eingeschrieben. Die Alzaiem Alazhari University und die Sudan University of Science and Technology verfügen über eine Abteilung für "Deutsch als Fremdsprache". An sudanesischen Schulen besteht bisher kein Angebot zum Erlernen der deutschen Sprache.

Im Wissenschaftsbereich existiert eine Reihe von Kooperationsprogrammen sudanesischer und deutscher Bildungseinrichtungen mit Austausch von Studenten, Doktoranden, Forschern und Hochschullehrern. Dazu zählen die Zusammenarbeit der Ahfad-Frauenuniversität Omdurman mit der Humboldt-Universität Berlin und der TU Berlin (Frauenstudien, Entwicklungspolitik) sowie Kontakte zwischen der Gezira-Universität mit der Humboldt Universität (Landwirtschaft, Archäologie) sowie einer Reihe weiterer Universitäten. Im Bereich des Kulturerhalts besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen dem sudanesischen Antikendienst und verschiedenen deutschen archäologischen Einrichtungen. Mitarbeiter der Humboldt Universität Berlin, der Universität zu Köln, dem Ägyptischen Museum in Berlin sowie des Deutschen Archäologischen Institutes führen regelmäßig Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten an antiken Stätten in Naga, Mussawarrat es Sufra und Gala Abu Ahmed durch. Dort gefundene Exponate werden regelmäßig als Leihgaben nach Deutschland verbracht. Im Jahr 2012 hat Deutschland diese Arbeit mit rund einer halben Million Euro gefördert.